Gestern irgendwo in der EU

 

 

Gestern saß ich zusammen mit zwei Schauspielerinnen Ende Zwanzig in der Kantine des „Actorscentre“ beim Mittagessen.

Wir kommen ins Gespräch.

Beginnend mit einem sehr belanglosen Austausch über die „Take-away-Kultur“, stolpern wir uns über das „das- typische- englische- Frühstück“- Gespräch zu der drängenden Frage, woher ich eigentlich käme.

Zwei grosse britische Augenpaare starren mich an!

Die Menschen hinter diesen Augenpaaren haben lustige Namen, die mir bisher nur in Comics begegnet sind.

Aus Rücksichtnahme nur so viel:

Der eine beginnt mit D. an, der andere mit S.

Meine Antwort: „From Germany“ fährt ein.

Es arbeitet hinter den Augenpaaren.

Frau D. wagt sich mit einer Frage hervor:

„Is it near Belgium?“

Bitte nicht. Ich möchte diese Frage weder gehört haben, noch beantworten müssen. Das die Engländer das europäische Festland distanziert als „Europe“ bezeichnen  habe ich ja schon kapiert und akzeptiert, aber das die Ignoranz nun amerikanische Ausmasse annimmt war schwer zu verkraften.

Ich entschloss mich zur Güte und sagte: „ Yes. Germany is east of Belgium.“

Daraufhin Frau D. schuldbewusst: „I’m sorry. I just know France...because of the Eurostar.“

Diese Schlussfolgerung leuchtete mir zwar nicht ein, aber mir war sehr daran gelegen, dieses Gespräch nicht fortführen zu müssen, da mir der Anblick einer derartigen Selbstdemontage nicht sehr erbaulich vorkam.

Da hatte ich aber nicht mit dem zweiten Augenpaar gerechnet, hinter dem es immer noch fleissig arbeitete.

Dann schoss es aus Frau S. (wie sich in den folgenden Tagen herausstellen sollte übrigens Tochter einer Deutsch-Holländerin) heraus: „No, Germany...isn’t it below France?“

Nun arbeitete es hinter meinem Augenpaar. Ganz gewaltig sogar!

Zwei ganz tiefe Atemzüge später sagte ich: „No, that’s spain!“

Frau S. konterte mit einem kurzen, aber ehrlichen: „I’m afraid, I need to look on the map.“

Das fürchte ich allerdings auch!

Das einzige, was mich nach diesem Faux-Pas etwas versöhnlich stimmte, war die Gesichtsfarbe von Frau S., die sich von einem vornehmen „Britanien-blass“ zu einem gesunden „Europa-rosa“ wandelte.

Endlich war dieses Gespräch auch beendet, besser gesagt überwunden.

 

Allerdings treiben mich seither zwei Fragen um:

 

1.

Haben sich die Briten tatsächlich bewusst gegen den Euro entschieden, oder wissen sie einfach nicht, dass es ihn überhaupt gibt?

 

2.

Soll ich es ihnen vielleicht sagen?

Diese Briten...

YouTube-Video

 

Grüsse aus London!

 

Der Plan: London.

Ich bin nach einer orientierungslosen Odyssee durchs Orbit dort auch angekommen.

Die Telefonnummer samt Adresse meines Gastgebers und Freundes Ralph war –wie man das ja mittlerweile so macht- in meinem Handy gespeichert.

Als ich nun kurz nach der Landung – und weil man ja auch das mittlerweile so macht- noch vor „Erlöschen der Anschnallzeichen“ mein Handy anmachen wollte, wurden alle anderen Mitreisenden schon  von ihren peppigen Jingels begrüßt.

Gewinner des inoffiziellen „Wer-hat-den-spiessigsten-Handy-Klingelton-denkt-aber-er-wäre-total-dufte-drauf-Awards“ war eindeutig und unangefochten mein Sitznachbar mit:

 

„London Calling“ von The Clash!

 

Um Gotteswillen!

Sollte ich Dich mal besuchen kommen, lieber Herr Nachbar, lade ich mir doch auch nicht extra „Auf der schönen Alb...“ als Klingelton runter, Du Depp!

 

Leider habe ich selber nicht mal das Qualifying zu diesem Award überlebt, da mein Akku nicht mehr einen Mucks von sich gegeben hat. Platt wie ne Flunder!

Und damit war meine Zieladresse in unerreichbare Ferne gerückt und ich spätestens ab der Gepäckausgabe in Stansted geliefert.

So und jetzt?

Wohin mit mir und dem Gepäck der nächsten Monate?

Gut erstmal weg vom Fughafen Richtung Innenstadt.

Und dann - genau, Liverpoolstreet, das erinnerte ich, da bin ich das letzte Mal in den Stansted-Express gestiegen.

Also auf zur Liverpoolstreet ,ja, und ab da?

Naja mal schauen, vielleicht rettet mich ja mein fotografisches Gedächtnis beim Bilck auf den U-Bahnplan.

 

Mitten in der bombastischen Halle des Bahnhofs Liverpoolstreet hängt ein übergroßer Kandinsky der sich bei näherem Hinsehen tatsächlich als Streckennetz von London herausstellte.

Bei diesem Anblick rette mich aber gar nichts!

Das einzige was mich retten könnte ist alltäglichste Technik, auf die sich der urbane (und damit dumme) Neuzeitler wie ich es nun mal bin zu selbstverständlich verlässt: Das HANDY.

 "THE MOBILE" wie der noch urbanere und per Geburt schon viel hippere Londoner (respektive: Engländer) sagt.

 

Als mich eine nette Dame vom Sevicepersonal fragte, ob sie mir helfen könne sagte ich erstmal:

"Hopefully! I don't know how to get to my friend Ralph, but I'm sure you'll tell me the way!"

Völlig perplex schaute mich dieser selbsternannte Local Hero des Öffentlichen Personen Nahverkehr (der sich hier „London Underground“  nennt und auch das ist schon wieder cooler) an und fragt

"Ralph, who?"

Daraufhin ich: "Ralph Gassmann"

"Oh I'm sorry. I don't know him"

Ach was!!?? Puppe!!! Damit habe ich ja gar nicht gerechnet!

 

Als ich ihr aber die Umstände meiner absoluten Orientierungslosigkeit erklärte, tat sie das Einzige was sie aus ihrer Position als "Mutter der Metrostation" nur tun konnte:

Sie bot mir an mein "moooohbail" an ihrem Infotresen zu laden.

Diese dumme Inselschnepfe!

Schon mal was von Festlandeuropa gehört?

Schon mal gehört, dass wir da andere Steckdosen- ja, Perle bei uns heissen die Plug-in’s wirklich Steckdose, na und?- zum laden unserer Technik (electronic devices- klingt auch schon wieder so...aber gut) haben als ihr hier?

 

Thank you! Bye!

Visit Germany and get trained at the Servicepoint of Deutsche Bahn in the Berliner Hauptbahnhof, du....!

 

Ich entschloss mich einfach mal in eine Bahn zu steigen.

Irgendwas wird sich schon tun.

Also die sogenannte "Oyster-Card", die ich noch von einem früheren Aufenthalt hatte und die einfach eine Prepaidcard für den ÖPNV in London ist, vor das Lesegerät geballert und:....finito...kein Guthaben mehr drauf.

„Your Oyster is empty, Sir!“

Was? Was soll denn das für ein Satz sein?

„Mein Herr Ihre Auster ist leer!“

Was würde ich auf Deutsch antworten, wenn ich einfach nur in die U-Bahn einsteigen möchte und werde im Vorbeigehen aufgeklärt, dass meine Auster leer sei?

Wahrscheinlich bewegt sich eine solche Äusserung  schon in der juristischen Grauzone der sexuellen Belästigung.

 „Und daran ändert Ihr nachgeschobenes, schleimiges ‚Sir’ auch nichts, Sir!“

Also zum Schalter und die Auster füllen.

Dort lächelt mich ein Schild an: Cash only!

Na und; ihr rothaarigen Hooligans alle: ich hab Cash uff Tasche. Aber wie!

Aber laden ging trotzdem nicht.

Wir sind ja hier in England und das ist wie ja jedes Kind weiß:

 

EU aber NICHT SCHENGEN- NIX OHNE PASSAPORTE REISEN UND NIX EURO!

 

Okay nächster Plan:

Ich entschloss mich in ein Taxi zu steigen, dass meine Kreditkarte akzeptiert und mit dem Taxifahrer so lange durch diese Stadt zu cruisen bis irgendwann irgendetwas in meinem Unterbewusstsein einen Reiz auslöst.

Also ging es los...

"Excuse me Sir, could you turn to the right pleae?"... "Lets try left please!"...“Oh one Moment please. I think...“

Das ging eine ganze Weile so.

Die Stimmung im Black Cab war bei weitem nicht mehr so britisch-elegant wie das Auto von außen vermuten lässt.

Doch plötzlich schoss es mir in den Kopf:

Hier in der Nähe ist es! Hier muss ein Supermarkt sein, von dem aus ich es finden würde-

"Excuse me Sir, do you know a Supermarket in this area?"

Ungläubige Blicke durch die trübe Trennscheibe.

"Yes a supermarket with an orange sign and the name starts with an 'G' I think!"

Ruhe im Auto.

Wäre dieses Volk hier durch die Schweinegrippe nicht so grundlegend geschwächt, durch die Finanzkrise wirtschaftlich nicht so dermaßen demoralisiert und zu guter Letzt durch seine Auslandseinsätze in Afghanistan und Irak militärisch nicht so destabilisiert und - ich wäre in diesem Moment der neue Staatsfeind Nr. 1 gewesen!

Immer noch Ruhe im Wagen.

Schweigen.

Schweigen.

Aber dann kam es:

 

"You mean 'Sainsbury' It is right here. Look to the left".

Und da war er, der Supermarkt. Definitiv!  

Gut Sainsbury fängt nicht gerade mit 'G' an, aber das mit dem Orange stimmte zumindest.

Und nun raus hier, drei mal um die Ecke und ich war endlich angekommen!

 

Ich habe in dieser Stadt die eine Wohnung gefunden, die ich gesucht habe ohne zu wissen wo sie sein soll.

Na Mensch, geht doch auch ohne Handy!!!

Aber vielleicht wärs mit einem Zettel ja noch einfacher gewesen.

 

 

Auch Schauspieler müssen mal ihre Meinung sagen!

YouTube-Video

Auf der Bühne...

Vorstellungstremine am Staatstheater Braunschweig Vorstellungstremine am Staatstheater Braunschweig